1. Jurorenkonferenz
Referenten: Udo Krämer und Volker Frenzel
von Andrea Harmsen
Am Sonntag, den 06.11.2011 fand im Rathaussaal in Bickenbach die erste Jurorenkonferenz des Landesverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz statt.
Volker Frenzel und UdoKrämer hatten eingeladen, und 20 DVF-Mitglieder vom Saarland bis Niedersachsen waren dieser Einladung gefolgt.
Die Organisatoren, Volker Frenzel, Udo Krämer und Ute Krämer begrüßten die
Teilnehmer der Konferenz.
Anders als bei einem normalen Seminar wollten wir hier in gemeinsamer Arbeit Richtlinien entwickeln, die einerseits eine bessere Vergleichbarkeit bei Jurierungen ermöglichen und vor allem aber eine Qualitätssteigerung und Sicherung erreichen sollten.
Nach einer kurzen Vorstellung der Teilnehmer, bei der sich herausstellte, dass sowohl das Einzugsgebiet wie auch die Vorkenntnisse und Erfahrungen bei Jurierungen
im Teilnehmerkreis breit gefächert waren, konnte es losgehen.
Zur Einstimmung erläuterte uns Udo Krämer ein paar grundlegende Gedanken zu Jurierungen.
Von den besten persönlichen Voraussetzungen, um ein guter Juror zu werden, zu den Grundsätzen, wie dem Streben danach, absolut gerecht, motiv- und autorenneutral zu bewerten, und Denkanstößen, dieses in der Praxis umzusetzen, wurde alles erörtert, ebenso
wie die drei grundlegenden Bewertungskriterien.
Bewertungssysteme mit ihren Vor- und Nachteilen wurden genauso besprochen wie die Unterschiede bei der Jurierung von Papier- und Projektionsbildern. Auch Tipps für Wettbewerbsteilnehmer und die Wünsche der Juroren kamen nicht zu kurz, da sich ja auch durchaus Ausrichter von Wettbewerben (vergangenen und zukünftigen) unter uns befanden.
Im Anschluss begann Volker Frenzel mit dem praktischen Teil.
Die Konferenzleiter hatten aus allen Kategorien problematischer Bilder Beispiele mitgebracht.
Wie soll man mit Bildern umgehen, deren Motive schon tausendfach gezeigt wurden oder die dutzendfach in einem Wettbewerb auftauchen, weil der Bildinhalt gerade „IN“ ist?
Die Teilnehmer zeigten sich von Beginn an sehr debattierfreudig. Ausgiebige Diskussionen und Erörterungen führten zu folgendem Konsens:
Um gerecht zu jurieren, kann man nur jedes Bild einzeln nach den üblichen Kriterien Inhalt, Gestaltung, Technik beurteilen, egal wie viele man davon schon gesehen hat und wie viele noch kommen. Sie werden jedes für sich als gut oder schlecht bewertet und kommen dann entsprechend eine Runde weiter oder auch nicht.
Da in einem Wettbewerb die Bilder eines Autors nicht notwendigerweise nacheinander
gezeigt werden und da es auch durch Workshops sein kann, dass man viele sehr ähnliche Bilder von einem Motiv sieht, geht es nicht, nach mehreren Bildern derselben Art zu sagen „die kann ich jetzt aber nicht mehr sehen“ (selbst wenn dies nur unbewusst geschieht).
Durch eine Ablehnung des Bildes wird nicht notwendigerweise ein sehr unschlüssiger Fotograf bestraft, was wohl die Intention eines Juroren in dieser Angelegenheit wäre.
(Natürlich ist es nicht Sinn der Sache, dass man vier ähnliche Bilder in eine Kategorie einschickt und die Juroren das beste aussuchen lässt. So etwas muss natürlich vorher auf Clubebene, wenn schon nicht alleine, entschieden werden)
Im Zweifelsfall bestraft man hier aber dann einen anderen Autoren mit demselben Motiv, der das Pech hatte, dass seine Bilder zu einem späteren Zeitpunkt im Wettbewerb gezeigt wurden.
Jedes einzelne Bild, das nach den Kriterien ein gutes Bild ist, sollte eine Runde weiterkommen. Eine Chance auf Auszeichnungen haben diese Bilder allerdings nur dann, wenn sie sich durch Originalität weit aus der Masse abheben. Das dritte für die Bewertung ausschlaggebende Kriterium des Bildinhaltes oder besser der Bildidee kann bei einem schon hundertfach abgelichteten Motiv sonst einfach nicht mit gut bewertet werden.
Damit kamen wir zur zweiten bei einer Jurierung problematischen Bildgruppe, den mit Filtern oder Programmen (z. B. HDR) verfremdeten Bildern. Hier konnten wir uns anhand der gezeigten Bildbeispiele ziemlich schnell auf eine Beurteilung und Vorgehensweise einigen.
Die Frage ist, ob der Filter oder Effekt zur Verbesserung des Fotos beiträgt, ob der Filter im Zusammenhang mit der Bildaussage steht oder ob nur ein schlechtes oder langweiliges Bild durch eine Verfremdung aufgepeppt werden soll.
Nicht der Filter soll juriert werden, sondern das Foto. Das heißt für uns, dass wir als erstes durch den Filter hindurchsehen und das Foto als solches, also ohne den Filter, beurteilen müssen.
Wenn dieses für gut befunden und der angewandte Effekt noch zur Steigerung des Bildes und seines Inhaltes beiträgt, prima. Wenn allerdings das Ausgangsbild schon schlecht ist oder der Filter in keinem Zusammenhang mit der sonstigen Bildaussage steht, das Bild also
durch den Filter eher kaputtgemacht wird, darf es auch keine Runde weiter kommen.
Dasselbe gilt für Wischeffekte, seien sie am PC oder direkt vor Ort entstanden.
Der dritte Problemblock umfasste die Kategorie Composings. Hier kam es zu durchaus heißen Diskussionen ob es sich bei einigen der gezeigten Bilder überhaupt noch um Photographie handele.
Sicherlich sind komplett am PC erstellte Fantasiewelten keine übliche Art der Photographie mehr und sind dadurch auch schwer mit dieser zu vergleichen. Es handelt sich eher um eine neue Kunstform.
Aber hier gibt es das Problem, dass man keinen Trennstrich ziehen kann, da man aufgrund
der ständig voranschreitenden Computertechniken oft überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie ein Bild entstanden ist. Hierzu gab Udo Krämer uns das schöne Beispiel der Autoindustrie, die sich von Werbeagenturen anhand ihrer Datenblätter die „Fotos“ komplett am PC generieren ließen. Hier kommen nur unterschiedliche Computerprogramme, aber keine Kamera mehr zum Einsatz, das Endergebnis sieht für uns jedoch nach einem traditionellen Foto aus.
Die heutige Jugend wächst mit diesen sich ständig weiterentwickelnden Techniken auf.
Diese zu bremsen und ihre Kreativität nicht anzuerkennen, kann auch nicht der richtige Weg sein.
Gerade Jugendliche machen sich oft noch weitergehende Gedanken über unsere Welt und ihre Zukunft und versuchen diese durch Photographie eben durchaus in Kombination mit am PC erstellten oder von Programmen zur Verfügung gestellten Bildteilen auszudrücken. Gerade für solche Zukunftsvisionen sind nur selbst fotografierte Bildteile einfach oft nicht ausreichend.
Wir sind auch hier zu dem Schluss gekommen, das Werk an sich zu beurteilen.
Ist es gut gestaltet und kann man sogar noch einen Sinn erkennen, ist es in jedem Fall eine Annahme wert. Die Richtlinien des DVF sagen allerdings aus, dass der Autor die Rechte an allen Bildteilen hat, was in diesen Fällen problematisch wäre.
Nach einer kurzen Pause ging es mit der Ansicht der mitgebrachten Fotos aller Teilnehmer weiter, die wir nun unter Anderem anhand der vorher besprochenen Vorgehensweisen gemeinsam betrachteten.
Es war schön zu sehen, dass für die vorgelegten Bilder schnell eine gemeinsame Beurteilung gefunden werden konnten.
Danach ging es in die verdiente Mittagspause zum nahegelegen Italiener wo wir uns schon kurz nach unserer Ankunft an den leckeren vorbestellten Speisen stärken konnten.
Den letzten Teil der Konferenz nahm die Probejurierung ein. Volker Frenzel und Udo Krämer
hatten 60 gedruckte Bilder mitgebracht aus denen wir nun in willkürlich zusammengestellten Gruppen 3 Medaillen und 5 Urkundenbilder heraussuchen sollten.
Aufgrund des sehr hohen und gerade im oberen Viertel auch sehr ähnlichen Niveaus der Bilder war dies nicht ganz einfach. Aber nach vielen intensiven Betrachtungen Diskussionen
und Erörterungen der einzelnen Bilder hatte sich jede der 6 Jurys für Ihre Favoriten
entschieden.
Die Gründe für ihren Entschluss wurden anschließend noch in gemeinsamer Runde von
jeder Jury bekannt gegeben.
Sehr positiv fiel hierbei auf, dass zwar jede Jury mal ein oder zwei Bilder anders gewählt hatte als die anderen aber dass die meisten Bilder tatsächlich immer in 3 oder 4 Jurys
zu den ausgezeichneten 8 gehörten.
Als Fazit kann man sagen, ein komplett gelungener Tag, der aufgrund
der lockeren Atmosphäre jedem Spaß gemacht hat.
Ein perfekt geplanter und zeitlich einwandfrei kalkulierter Ablauf, die strukturierte
Herangehensweise an das Thema und die vielen konstruktiven Diskussionen haben
es geschafft, dass jeder an diesem Tage Einiges für sich mitnehmen konnte.
Aufgrund des durchweg positiven Feedbacks am Ende der Konferenz wurde dann auch
beschlossen, dass solch eine Konferenz in jedem Fall wieder und auch möglichst
jedes Jahr stattfinden sollte.
Vorschläge gingen in die Richtung, dass man sich dann auch spezielle Sparten intensiv
zur Jurierung vornehmen könnte.
Ein herzliches „Danke schön“ geht an Volker Frenzel, Ute und Udo Krämer.
Durch ihr Engagement und die hervorragende Organisation wurde die erste
Jurorenkonferenz ein voller Erfolg.
Wir freuen uns auf das nächste Mal.








