Michelle Mattern

Zum Portfolio von Michelle Mattern, Gesamtsiegerin der Alterklasse 2 des Wettbewerbs „Deutschlands bester Jugendfotograf“ 2011
Michelle Mattern hat mit 12 Jahren ihre erste Kamera geschenkt bekommen und zunächst „wild“ experimentiert und im Bildbearbeitungsprogramm alles ausprobiert. Seit 4 Jahren arbeitet sie mit einer Spiegelreflex.
Ihr Portfolio zeigt, daß ihr Gewinn des DVF-Jugendfotowettbewerbs kein Glücksfall war. Auf ihren Spezialgebieten Porträt, People, Makro und Streetfotografie fallen ihre Vorliebe für kräftige Farben, die sorgfältigen Bildkompositionen und eine penible Bildvorbereitung auf, die nichts dem Zufall überlässt.
Man betrachte sich einmal die Accessoires in dem Siegerbild „Hui und Pfui“ genauer, die Strümpfe und Schuhe im „Pfui“-Teil, eine leere Zigarettenschachtel fehlt auch nicht, und die gepflegte, feine, etwas blasiert blickende junge Dame im „Hui“-Teil. Diese Freude am Detail macht das Betrachten des Bildes zu einer Reise mit den Augen durch das Bild. So fehlt im „VOLLbad“ der (natürlich volle) Aschenbecher nicht, die Flaschen mit Alkohol, die den Bildtitel erklären, sind um die Badewanne angeordnet, und das Plastik-Entchen bekommt auch seinen Schluck Tequila. Die Schaumfrisur sitzt perfekt auf einem Kopf, der sich inmitten des Gevierts von Flaschen und Ente befindet.
Präzision und Sorgfalt finden wir auch in den gelungenen, farblich schönen Makrofotos, die ein beachtliches handwerkliches Können belegen.
Besonders gefällt mir Frau Matterns Humor, wenn er nicht so vordergründig angelegt ist wie in den Schreifotos „Black Bunny“ und „Schizophren“, sondern sich ganz fein zu erkennen gibt. Man findet oft bei ihr so etwas wie ein Augenzwinkern, das die Strenge der reinen Abbildung abschwächt und mildert, als wolle sie sagen: Nehmt nicht alles so fürchterlich ernst, die Fotografie ist doch etwas, das mir Freude macht. Das kleine Plastikentchen auf dem Teller im Siegerbild ist dazu ein Beispiel, vielleicht auch der Zigarettenstummel in „Pin-Up“ (sehr schön, wie hier ein Klischee ins Bild gesetzt wird), der gleich den Handschuh versengen wird.
Auf allen Personenfotos fallen die Augen auf, im „VOLLbad“ stehen sie im Mittelpunkt des Bildes, ebenso, mit gelungener Schärfe-Unschärfe-Verteilung, in „Pin-Up“ und „Schal“, und dominierend in dem Schwarzweiß-Porträt „Caro“. Dieses ausdrucksstarke Porträt - diesmal wandert das Betrachterauge durch die Landschaft eines selbstbewußten, aber auch fordernden und fragenden Gesichts - weckt den Wunsch, Caro einmal persönlich kennenzulernen.
Aber am Ende sind alle Augen doch Michelles Augen selbst, freundlich, offen und sympathisch. Michelle Mattern verfügt inzwischen über eine Studioeinrichtung und besitzt einen eigenen Internetauftritt: http://www.michellematternphotography.de.
Wir wünschen uns, dass sie ihren fotografischen Weg weiter verfolgt und uns auch in der Zukunft mit ihren Fotos viel Freude bereitet.
Peter Heinsch








