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Volker Frenzel: Underground

  Den Menschen zieht es zunehmend in die Städte. Nur hier scheint sich der Traum von einem besseren Leben zu erfüllen. So dehnen sich die urbanen Bereiche immer weiter in die Umgebung aus und die Wege der Bewohner werden länger. Diejenigen, die es geschafft haben, besitzen ein Auto und nutzen es für ihre täglichen Fahrten. So sind lange Staus während der Hauptverkehrszeiten die Folge. Weitsichtige Planer haben schon frühzeitig erkannt, dass in dem Bereich unter den Städten die Lösung liegt. Hauptverkehrsstraßen können durch Tunnels überquert werden und für längere Strecken nutzt man die U-Bahn.

Sie ist zu einem Massentransportmittel geworden, laut, hektisch, anonym. Aber auch die Architekten haben Bahnhöfe für den Ausdruck ihrer Kreativität entdeckt. Es gibt aufregende Strukturen und mitunter magisches Licht. In meinem Portfolio führe ich den Betrachter zunächst in einen typischen Tunnel. Menschen hetzen aneinander vorbei, beachten sich nicht, sind nur als Schatten erkennbar. Dann aber sind sie für Sekunden auf meinen Fotos zu dritt, zu zweit oder alleine, werden wieder zu Individuen mit einem Ziel.

Manche gehen gemeinsam oder treffen sich zufällig. Auf den Bahnhöfen muss man in der Regel etwas warten oder geht nach der Fahrt seiner Wege, bis man sich auf dem Weg nach oben wieder der anonymen Menge anschließt. Der Mensch im Kontext mit der modernen Architektur steht in meiner Arbeit immer im Mittelpunkt, optisch losgelöst von der Masse der anderen. Meine Fotografie konzentriert sich auf seine typischen Verhaltensweisen im Untergrund, abwärts gehen, zum Zug hetzen, warten, weggehen und an die Oberfläche zurückkehren. Durch die Einbeziehung der Architektur der Tunnels und Bahnhöfe zusammen mit der Lichtsituation schaffe ich eine Bühne für die Menschen. Die häufig grelle Farbigkeit der Umgebung habe ich reduziert, damit nichts von den Menschen ablenkt.

Meine Bilder sollen Momentaufnahmen einer Wirklichkeit sein, losgelöst von der Realität.

Diese Fotos erfordern viel Geduld. Zunächst suche ich eine Umgebung, warte ab wie sich die Menschen und Züge bewegen. Dann beginnen die eigentlichen Aufnahmen, die fast immer dem Takt des Fahrplans folgen müssen. Die meisten Fotos mache ich in der Zeit unmittelbar vor der Einfahrt bis direkt nach Ausfahrt der Züge.

Bei der Realisierung dieses Projektes wurde mir klar, welch wichtige Funktion der Untergrund für die Lebensfähigkeit unserer Städte hat, wie der Mensch in der Masse aufgeht, aber auch wie er für Minuten oder nur Sekunden allein zu sein scheint.